Wasserortung
Die Ausbildung für die Wasserortung ist sehr anspruchsvoll und wird bei uns nur mit Hunden begonnen, die in einem
der anderen Bereichen sehr gute Leistungen zeigen und in ihrem Anzeigeverhalten gefestigt sind.
Sind die Helfer vor Ort nicht innerhalb von 3-5 Minuten erfolgreich mit Ortung und Rettung, ist eine im Wasser
vermisste Person ertrunken. Insofern handelt es sich bei der Wasserortung mit Hunden immer um die Bergung
einer ertrunkenen Person und nicht um eine Personenrettung.
Bei der Wasserortung wird ausgenutzt, dass unmittelbar nach dem Eintritt des Todes bestimmte Gase
entstehen und entweichen, auf deren Geruch man den Hund trainieren kann. Diese Geruchsstoffe können von den
Hunden in einer unglaublich niedrigen Konzentration wahrgenommen werden. Manche Experten sprechen davon, dass
die Hunde einzelne Moleküle erspüren können.
Die größte Schwierigkeit ist die Auswahl und das Beschaffen geeigneter Übungsmaterialien. Die Hundenase ist so
empfindlich, dass sie zwischen dem Geruch von tierischem Aas und menschlichem Leichengeruch unterscheiden kann.
Der Einsatz von Hunden kann bei dieser Suche sehr vorteilhaft sein. Beispielsweise kann in schlammigen Gewässern der Vermisste schnell von Sediment bedeckt werden. Bis zu einer Wassertiefe von mehr als 38 Meter wurden Vermisste schon entdeckt, die vorher von den Tauchern nicht gefunden werden konnten.
Je nach Windrichtung, Bewuchs, Strömung oder Wassertiefe kann man mit dem Boot nicht alle Bereiche eines Gewässers befriedigend absuchen. Das systematische Absuchen der Ufer ist aber ein wichtiger Teil bei der Suche nach Ertrunkenen. Sie wird deshalb vom Land aus durchgeführt. Auch diese Ufersuche muss gesondert trainiert werden und ist Teil der Ausbildung bei der Wasserortung.
Die für den Hundeführer anspruchvollste Aufgabe bei der Wasserortung ist die Beobachtung seines Hundes und die Interpretation seiner Reaktionen. Regungen, denen man unter normalen Umständen und ohne zusätzliches Training keine Bedeutung zumessen würde, geben aber wichtige Hinweise.
Gerät der Hund in ein schwaches Geruchsfeld und ist sich seiner Sache im ersten Moment nicht unbedingt sicher, so können seine Körpersprache und Lautäußerungen zusammen mit dem Wind und der Strömungsrichtung des Wassers trotzdem die möglicherweise entscheidenden Anhaltspunkte auf den Liegeort der Geruchsprobe oder der vermissten Person liefern.
Während der Suche werden die Orte der Anzeigen des Hundes per GPS markiert und direkt nach der Suchfahrt am Computer ausgewertet. Der Hundeführer muss aus seinen Aufzeichnungen die Bedeutung der einzelnen Markierungspunkte erkennen und letztendlich den Ort bestimmen, an dem die Taucher ihre Suche beginnen sollen.
Im Training wird der dem Hundeführer unbekannte Liegeort der Geruchsprobe ebenfalls mit GPS markiert. So kann er dann am Computer sofort erkennen, ob die Genauigkeit seiner Angaben für die Taucher ausgereicht hätte. Ziel ist es, den Liegeort auf 10-20 Meter genau angeben zu können.
Da die herkömmlichen GPS-Empfangsgeräte auch ohne größere Störeinflüsse eine Ungenauigkeit von 10-20 Meter aufweisen, kann sich auf der Karte auch bei einer eigentlich guten Ortung noch eine Abweichung von 20-40 Meter vom tatsächlichen Liegeort ergeben.
