Unsere Ausbildung eines Rettungshundes
Die Ausbildung eines Rettungshundes umfasst bei uns verschiedene Schwerpunkte, die wir im Folgenden kurz vorstellen möchten:
Flächensuche
Die Flächensuche stellt so etwas wie das Arbeitspferd bei der Vermisstensuche dar. Weit über 90% der durchgeführten Suchen sind Flächensuchen (s. a. Abb. 2, bezogen nur auf die Einsätze). Die Suche nach vermissten Kindern, dementen oder suizidgefährdeten Personen ist in den meisten Fällen der Grund für eine Alarmierung.
Eine guttrainierte Rettungshundestaffel kann mit verhältnismäßig geringem Aufwand große Flächen in kurzer Zeit absuchen, und dies zuverlässig auch bei widrigen Wetterbedingungen, bei Nacht sowie in unzugänglichem und gefährlichem Gelände.
Abb. 2: Einsatz-Statistik (Quelle: www.brh.info)
Für die Flächensuche eignet sich eigentlich jeder Hund, mit gewissen Einschränkungen vielleicht bei den kurznasig gezüchteten Rassen, wie den Boxern, und zu schweren, großen oder auch zu kleinen Hunden. Denn verletzt sich ein Hund im Gelände, muss er u. U. zurückgetragen werden, und deshalb sollte ein Hund nicht zu schwer sein. Zu kleine Hunde haben in weitläufigen oder schwer zugänglichen, mit dichtem Unterholz zugewachsenen Gebieten Nachteile gegenüber den größeren Rassen (s. a. Abb. 3). Aber auch das ist letztendlich individuell von Hund zu Hund verschieden.
Abb. 3: Hunderassen-Statistik (Quelle: www.brh.info)
Trümmersuche
Die Trümmersuche unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von der Flächensuche und ist insgesamt anspruchsvoller. Zum einen muss der Hund sich ausgezeichnet auf Trümmern und unsicherem Boden bewegen können. Dies muss ständig und von klein auf trainiert werden. Zum anderen muss der Hund sich bei der Anzeige sehr sicher sein, weil er, im Gegensatz zur Flächensuche, keine visuelle Bestätigung bei seiner Arbeit hat. Er muss den Punkt der stärksten Witterung selbstständig herausarbeiten, durch Bellen seinen Sucherfolg anzeigen und durch Scharren und Hinsehen den Punkt der höchsten Witterung deutlich für die Hilfskräfte markieren.
Das Training ist für beide, den Hund und den Hundeführer, sehr umfangreich. Es erfordert viel Zeit und Aufwand, um bei einem, statistisch gesehen, seltenen Einsatzfall optimal vorbereitet zu sein. Dass diese Fälle aber auch bei uns und nicht nur in Erdbeben- und Katastrophengebieten eintreten, zeigen uns Beispiele wie die Gasexplosion im Richtweg in Bremen, der Einsturz der Sporthalle in Bad Reichenhall oder der Einsturz der Stadtbibliothek in Köln.
Mantrailing
Mantrailing ist die Suche nach einer bestimmten Person anhand eines Geruchsstoffs. Dabei wird der Hund an
einer Stelle angesetzt, von der man weiß bzw. vermutet, dass die Person dort zuletzt gewesen ist, so dass der
Hund die Trail von dort aus bis zur Person verfolgen kann.
Worin besteht der Unterschied zwischen Mantrailing und Fährten?
Beim Fährten orientiert sich der Hund vorrangig an den Bodenverletzungen, die durch das Gehen auf Gras, Erde,
Laub etc. entstehen. Dem Hund wird kein Geruchsartikel gegeben, der Beginn der Fährte ist deutlich
gekennzeichnet, die Fährte verläuft in der Regel nicht über steinigen Boden oder Asphalt, weil dort keine
Bodenverletzungen entstehen können.
Beim Trailen spielen die Bodenverletzungen eine untergeordnete Rolle, weil der Hund sich an den
Geruchspartikeln orientiert, die jedes Säugetier ständig abstößt. Daher kann eine Trail auch über Asphalt oder
Beton etc. führen, ohne dass das für den Hund ein ernstes Problem wäre. Die Geruchspartikel, die jeder Mensch
abstößt, sind übrigens - wie auch der Fingerabdruck - für jeden Menschen einzigartig, d.h. keine zwei Personen
riechen genau gleich. So kann der Hund eine bestimmte Person und deren Weg eindeutig bestimmen und verfolgen -
sogar durch eine belebte Fußgängerzone hindurch.
(Quelle: Mantrailing-Mania).
Die zum Teil spektakulären Erfolge in der letzten Zeit führen in Deutschland zu einer zunehmenden Akzeptanz des Mantrailings auch bei den ursprünglich skeptisch eingestellten Einsatzverantwortlichen von Polizei und Feuerwehr.
(s.a. Werbung für das Mantrailing)
Wasserortung
Sind die Helfer vor Ort nicht innerhalb von 3-5 Minuten erfolgreich mit Ortung und Rettung, ist eine im
Wasser vermisste Person ertrunken. Insofern handelt es sich bei der Wassersuche mit Hunden immer um die Bergung
einer ertrunkenen Person und nicht um eine Personenrettung.
Bei der Wassersuche wird ausgenutzt, dass unmittelbar nach dem Eintritt des Todes bestimmte Geruchsstoffe
entstehen und entweichen, auf deren Geruch man den Hund trainieren kann. Diese Geruchsstoffe können von den
Hunden in einer unglaublich niedrigen Konzentration wahrgenommen werden. Manche Experten sprechen davon, dass
die Hunde einzelne Moleküle erspüren können. Die Ausbildung hierfür ist sehr anspruchsvoll und wird bei uns nur
mit Hunden begonnen, die in einem der anderen Bereichen sehr gute Leistungen zeigen und in ihrem
Anzeigeverhalten gefestigt sind.
Die größte Schwierigkeit ist die Auswahl und das Beschaffen geeigneter Übungsmaterialien. Die Hundenase ist so
empfindlich, dass sie zwischen dem Geruch von tierischem Aas und menschlichem Leichengeruch unterscheiden kann.
Der Einsatz von Hunden kann bei dieser Suche sehr vorteilhaft sein. Beispielsweise kann in schlammigen Gewässern der Vermisste schnell von Sediment bedeckt werden. Bis zu einer Wassertiefe von mehr als 38 Meter wurden Vermisste schon entdeckt, die vorher von den Tauchern nicht gefunden werden konnten.
Weitere Ausbildungsinhalte
Weitere Ausbildungsinhalte für den Hund und den Hundeführer sind:
- Truppmannausbildung für die Hundeführer/Innen
- Gerätearbeit und Gehorsam für die Hunde
- 1. Hilfe beim Menschen und beim Hund
- Abseilen mit und ohne Hund / Helikoptertraining
- Knotenkunde
- Funk-, Kompass- und Kartenkunde
- Kynologie, Grundlagen der Hundeausbildung / Lerntheorie
Auf die hier vermittelten theoretischen und praktischen Kenntnisse wird großer Wert gelegt. Sie werden
deshalb auch regelmäßig geprüft.
In gemeinsamen, möglichst realitätsnahen Übungen mit anderen Staffeln und anderen Einheiten des Katastrophenschutzes werden der Ausbildungsstand, die gewonnenen theoretischen Kenntnisse, die Ausrüstung und die Kondition von Hund und Hundeführer einem Praxis- und Vergleichstest unterzogen.
